Einsatz mit zwei Inkubatoren (02.09.2008)

„Was ist denn da passiert?“ – „Schau mal, so viele Rettungswagen, und auch noch Polizei!“ Am Dienstag, dem 2. September staunten einige Schulkinder der Marburger Otto-Ubbelohde-Schule nicht schlecht, als sie sich gegen 12.00 Uhr auf den Heimweg durch die Gutenbergstraße machten: Dort standen, angeführt von einem Polizeiwagen, schön aufgereiht hintereinander, mehrere Einsatzfahrzeuge des DRK Rettungsdienstes Mittelhessen am Straßenrand. So wie den Schulkindern ging es Vielen: Dieser „Aufmarsch“ war spektakulär – und auch wenn kein Martinshorn lärmte und kein Blaulicht blinkte, fragte sich doch jeder, was da los war.
Von 12.01 Uhr bis 12.08 Uhr hatte die Leitstelle Marburg-Biedenkopf insgesamt vier Einsatzfahrzeuge alarmiert: Neben Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) und Rettungswagen (RTW) wurden auch ein Intensivtransportwagen (ITW) und ein Intensivtransportwagen für neonatologische Transporte („Baby-NAW“) in die Gutenbergstraße geschickt. Dort herrschte Ausnahmezustand in einer Arztpraxis: Eine werdende Mutter, schwanger mit Zwillingen in der 29. Woche, hatte sich wegen Frühwehen zum Arzt begeben, wo dann die Geburt begann. Dies war gleichzeitig der Auftakt für einen besonderen Einsatz, denn Zwillingsgeburten finden nur sehr selten außerhalb einer Klinik statt. Entsprechend aufwändig war die Maschinerie, die für die Bewältigung dieser Situation in Gang gesetzt wurde.
Die Leitstelle benachrichtigte nicht nur den Rettungsdienst. Um für die Einsatzfahrzeuge genügend Platz zu schaffen, kam auch die Polizei dazu und räumte die Halteverbotszone vor der Praxis. Kurzzeitig wurde auch die Zufahrt von der belebten Universitätsstraße in die Gutenbergstraße gesperrt. So konnten die Einsatzfahrzeuge besser rangiert und platziert werden. Zwei von ihnen hatten einen Brutkasten (Inkubator) im Gepäck, und sie sollten so stehen, dass ihre Fahrtragen keinen langen, „rumpeligen“ Weg über das Kopfsteinpflaster des Bürgersteigs nehmen mussten.
Mit Unterstützung der NEF-Besatzung kam noch in der Praxis das erste Kind zur Welt. Geschätzte 1300 Gramm schwer, hatte das „Frühchen“ die seinem Alter entsprechenden Reifestörungen. So wurde es – begleitet vom Notarzt und unter Beatmung im Inkubator - vom „Baby-NAW“ in die Marburger Kinderklinik transportiert. Für das zweite Kind stand der ITW bereit, extra für diesen Einsatz bestückt mit einem zweiten Inkubator. Doch dieser wurde nicht benötigt. Denn in der Praxis fiel die Entscheidung, die Mutter, versorgt mit wehenhemmenden Mitteln, für die zweite Geburt in die Uniklinik zu bringen. Ihr Transport erfolgte arztbegleitet mit dem RTW, und die zweite Geburt konnte planmäßig im Kreißsaal stattfinden.
Heiko Hartmann, Betriebsleiter beim DRK Rettungsdienst Mittelhessen freut sich: „Dieser Einsatz ist für uns im Grunde Routine. Er zeigt aber, wie gut das Zusammenspiel mit der Leitstelle und der Polizei funktioniert.“ Er zeigt auch, wie leistungsfähig der Rettungsdienst in der Region ist: Andernorts wäre es nicht möglich gewesen, für einen solchen Einsatz gleich zwei Spezialfahrzeuge bereitzustellen, mit denen Frühgeborene transportiert werden können. Beim MKT, Tochtergesellschaft des DRK Rettungsdienst Mittelhessen, ist dies Routine. Hier sind gleich mehrere Transportinkubatoren bei Bedarf verfügbar.