Bereits zum zehnten Mal fand am vergangenen Wochenende das mittelhessische Rettungsdienst-Symposium statt. Ursprünglich als Marburger Veranstaltung initiiert, ist das Symposium inzwischen eine Gemeinschaftsveranstaltung der Landkreise Marburg-Biedenkopf und Gießen, des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, des DRK Rettungsdienst Mittelhessen, der Johanniter und der Malteser. Dieses Jahr war der Landkreis Gießen Gastgeber der Veranstaltung: Die Workshops wurden im Außenbereich des Busecker Schlossparks und bei der Busecker Feuerwehr durchgeführt, die Vorträge fanden im Kulturzentrum Buseck statt.
In Workshops und Vorträgen stand das Thema „Schnittstellen des Rettungsdienstes“ im Vordergrund. Dabei ging es vor allem um größere Schadensereignisse. Denn zur Bewältigung des sogenannten „Massenanfalls von Verletzten“ (MANV) ist eine organisationsübergreifende Zusammenarbeit notwendig, die über Rettungsdienste, Feuerwehren und Kliniken bis hin zu ehrenamtlichen Kräften reicht. Damit stand – wie auch in den Vorjahren – ein aktuelles Thema auf dem Programm, das eine Vielzahl von Besuchern aus Rettungsdiensten, Kliniken und Hilfsorganisationen anzog. So nahmen fast 200 Zuhörer an den Vorträgen am Samstag teil; auch die Workshops am Freitag waren gut besucht.
Die Referenten stellten in ihren Vorträgen Konzepte, Strategien und Planungen für Großschadensereignisse vor. U.a. ging es um Konzepte für Voraushelfersysteme, Leistungsspektren von Schnelleinsatzgruppen, Konzepte des Landes Hessen für Katastrophenschutzeinheiten, Krankenhauseinsatzpläne – und als Praxisbeispiel – um die Bewältigung der Tragödie, die sich anlässlich der Love Parade in Duisburg im Sommer 2010 ereignet hatte. Am vorausgegangenen Workshoptag hatten die Teilnehmer bereits an praktischen Themen wie Wasserrettung oder technische Unfallrettung die interdisziplinäre Zusammenarbeit geübt.
Auch im Namen der Johanniter Unfallhilfe zog Markus Müller, Geschäftsführer des DRK Rettungsdienst Mittelhessen, im Schlusswort zum Symposium eine positive Bilanz. Das Symposium habe nicht medizinische „High-End-Themen“ zum Inhalt gehabt, sondern sich in der Breite mit den Schnittstellen zwischen den beteiligten Organisationen befasst. Dabei seien Potenziale deutlich geworden, und viele Anregungen für eine weitere Vernetzung wurden gegeben.
Müller unterstrich: „Die Einbindung des Ehrenamtes kommt gut und ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die rettungsdienstliche Arbeit im Großschadensfall.“ Sein Plädoyer an die beteiligten Hilfsorganisationen: „Formulieren Sie Ausbildungsziele für Ihre Bereiche, sorgen Sie dafür, dass abgestimmte Ausbildungsinhalte auf den Weg gebracht werden!“ Eine Rettungssanitäter-Ausbildung im ehrenamtlichen Bereich sei gesetzte Vorgabe, so Müller. Die Vorgaben in eine Umsetzung zu überführen, die auch für ehrenamtliche Helfer leistbar ist, sei Aufgabe der Hilfsorganisationen selbst.
Das Mittelhessische Rettungsdienst-Symposium fand – damals noch als Marburger Veranstaltung – erstmalig 2001 statt. Seitdem wurden jährlich aktuelle Fragestellungen der Notfallmedizin aufgegriffen. Immer war dabei auch der Gedanke eines interdisziplinären „Blicks über den Zaun“ im Fokus. So hielt z.B. im Jahr 2003 beim Thema „Risikomanagement“ ein Flugkapitän einen Vortrag unter der Überschrift gehalten: „Crew Resource Management: Kann der Rettungsdienst von der Luftfahrt lernen?“
Dr. Clemens Kill, Leiter des Zentrums für Notfallmedizin am Uniklinikum Marburg und Mitbegründer des Symposiums, unterstrich in seiner Rückschau zum zehnjährigen Geburtstag der Veranstaltung, wie notwendig es für den notfallmedizinischen Bereich sei, sich kontinuierlich auf den aktuellen Stand zu bringen. „Anlässlich des ersten Symposiums 2001 ist eine Fachveröffentlichung dazu erschienen. Das, was dort steht, ist heute bereits Medizingeschichte“, so Kill. In dieser Hinsicht sei das Symposium ein wichtiger Schrittmacher für weitere Entwicklungen.
Landrat Robert Fischbach betonte, wie wichtig eine strukturierte, konsequente und auch einheitliche Ausbildung sei, wenn es darum geht, Menschen in Notsituationen zu helfen. „Die Dauer dieser nun etablierten Fortbildungsreihe unterstreicht auch deren Qualität – hier ziehen viele Mitstreiter vor und hinter den Kulissen an einem Strang. Dafür danke ich“, so der Landrat.
Anita Schneider, Landrätin des Landkreises Gießen verwies bei einem Ortstermin anlässlich der Workshops am Freitag auf die gute und enge Zusammenarbeit beider Landkreise im Bereich der rettungsdienstlichen Aus- und Fortbildung und dankte dem landkreisübergreifenden Qualitätszirkel für Notfallmedizin, der die Veranstaltung vorbereitet hatte.